kraftplatz-Blog

An dieser Stelle teile ich einige meiner Erfahrungen und Gedanken über Trauer, Sterben und das Leben. Um zu informieren, inspirieren und vor allem zu enttabuisieren. Ich freue mich, wenn Du meine Beiträge kommentierst, teilst oder auch Wünsche für neue Themen einbringst. 

Alles Liebe

Petra 

2026-04-24

Musik in der Trauer

Dieser Blogbeitrag ist entstanden, als ich nach meinem Sportprogramm die laute Techno-Musik weiterlaufen liess und hochmotiviert mit Power mein Badezimmer schrubbte. Da kam mir in den Sinn, dass genau diese mitreissende, energiegeladene Musik auch für Trauernde hilfreich sein könnte. Um auszubrechen, loszulassen, alles rauszuschreien, wegzutanzen und sich der Energie einfach hinzugeben. Vielleicht tränenüberströmt, vielleicht mit einem Lächeln auf dem Gesicht oder laut mitsingend. Musik kann so viel bewegen und genau darüber möchte ich heute schreiben.

Ich freue mich über Rückmeldungen, welche Lieder dich durch deine Trauer begleiten und wünsche dir viel Freude beim Lesen!

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Eins vorweg: Es muss kein Techno sein!😊 Jede Musikrichtung kann kraftvoll sein, Trost spenden, Erinnerungen und Emotionen wecken und den Trauerprozess positiv unterstützen. Das können sanfte Töne sein, um zur Ruhe zu kommen, sich zu entspannen und ganz bei sich zu sein. Auch Lieder mit aussagekräftigen Texten wie «Ich trag dich weiter», «In meiner Erinnerung» oder «Wenn der Himmel zuhört» verwende ich gerne bei Schulungen, Vorträgen oder in Trauergruppen, um aus den Alltagsgedanken in das Trauerthema einzutauchen. Manchmal braucht es aber vielleicht auch die Freundin, die vorbeikommt, die Boombox anschmeisst und zusammen mit einem zur Lieblingsmusik durchs Wohnzimmer tanzt. Und nein, das ist vermutlich nicht das Erste, was Trauernden in den Sinn kommt oder worauf sie wirklich Lust haben. Aber ein Versuch, um die Freundin nach Wochen vom Sofa zu holen, kann es trotzdem wert sein.

Lass die Leute reden

Nicht selten entstehen Getuschel und Entsetzen, wenn Menschen kurz nach einem Todesfall tanzend und feiernd auf einer Party, einem Festival oder an der Fasnacht gesehen werden. Dieses Verhalten passt nicht in unsere Vorstellung von Trauer. Schnell wird verurteilt, bewertet und getratscht. Aber wäre es nicht schöner, mitzufeiern und sich zu freuen, dass es ihm/ihr in diesem Moment gerade gut tut, all den Schmerz für ein paar Stunden hinter sich zu lassen und sich eine Trauerpause zu gönnen? Trauer ist nicht «entweder oder», sondern «sowohl als auch». Und keine Angst, besonders am Anfang des Trauerprozesses überwiegen die schwierigen, aussichtslosen, düsteren Tage. Also lassen wir Trauernden doch hin und wieder Spass, Leichtigkeit und Glücklichsein. Ohne zu verurteilen, zu bewerten oder darüber zu tratschen!

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es eine riesige Portion Mut und Überwindung kostet, das erste Mal wieder im Beisein anderer zu lachen und fröhlich zu sein. Oft wird dieser Schritt begleitet von Fragen wie «Was könnten die anderen denken?» oder «Trauere ich zu wenig?». Deswegen: Lasst uns einander mit Liebe und Wohlwollen begegnen!

So, nun aber zurück zur Musik.

Wenn sich die alleinerziehende Witwe von Tag zu Tag kämpft, für ihre Kinder «stark» ist und eigentlich gar keine Zeit für die eigene Trauer hat, kann ein Lied, welches sie an ihren geliebten Mann erinnert helfen, um den angestauten und verdrängten Gefühle Raum zu geben. Sich dem Schmerz, der Wut, der Einsamkeit, der Hoffnungs- und Ausweglosigkeit ein paar Minuten hinzugeben. Sei es unter der Dusche, allein im Auto oder abends im Bett.

Angst vor Emotionen

In meinen Begleitungen erlebe ich immer wieder die Angst, Emotionen zuzulassen. Die Angst, nie wieder aufhören zu weinen oder keine Kraft mehr zum Weitermachen aufbringen zu können. So ging es mir auch. Aber Tränen sind in der Regel heilsam und entspannend. Auch wenn sie manchmal in den unpassendsten Moment anklopfen. Natürlich wollen wir nicht immer und überall in Tränen ausbrechen, weil gerade DAS Lied im Radio läuft. Ich selbst stand schon heulend auf einem überfüllten Waldspielplatz, weil genau an diesem Tag drei Alphornbläser dort für Unterhaltung sorgten. Meine Mama liebte den Klang von Alphörnern und ich wurde mit voller Wucht in die Trauer um sie zurückgeworfen. Ja, anfangs war es mir unangenehm. Gleichzeitig fühlte ich mich ihr nah und es tat gut, zu spüren, dass sie eben immer noch fehlt. Musik als Verbindung zwischen zwei Welten.

Wenn Trauernde plötzlich zu weinen beginnen, ist das Umfeld häufig überfordert. Weil sie den Grund für den Gefühlsausbruch nicht zuordnen können und weil sie nicht wissen, wie sie darauf reagieren sollen. In den Arm nehmen oder lieber ignorieren? Ich als Umarmungs-Liebhaberin würde zur ersten Variante tendieren. Aber natürlich gibt es auch noch einige Möglichkeiten dazwischen, beispielweise Nachfragen! «Was macht dich denn gerade so traurig?», «Was kann ich für dich tun?» oder «Darf ich dich in den Arm nehmen?». Ein «Dieses Lied erinnert mich gerade so an …» wäre in der Situation für alle Beteiligten sehr hilfreich. Aber wie so oft in der Trauer werden Betroffene von ihren Gefühlen überrollt, fehlen die Worte, kommt es zur Erstarrung und die Zeit steht still. In diesen Momenten braucht es Menschen, die einfach aushalten. Aushalten, dass es gerade schwierig ist und weh tut. Aushalten, gerade nichts tun zu können. Aushalten, ohne das Gefühl zu vermitteln, zu viel zu sein. Und plötzlich ist die Trauerwelle vorüber.

Abschied

Auch die musikalische Umrahmung bei Beerdigungen und Abschiedszeremonien hat seinen Grund. Sie schafft Struktur, aber weckt auch Emotionen und ermöglicht Zugang zu unseren Gefühlen. Sei es durch ein klassisches «Ave Maria», ein «Hallelujah» oder durch ein lebensbejahendes «Das Leben ist schön» von Sarah Connor, genauso wie durch den Rockklassiker oder den Party-Hit, der beim Verstorbenen rauf und runter lief. Wie bereits erwähnt: Trauer ist ein «sowohl als auch». Bei einem Abschied ist Platz für bitterliches Weinen UND herzliches Lachen.
Ich hoffe, dass ich meiner Familie und meinen Freunden einmal von meiner Wolke da oben zusehen darf, wie sie neben der Trauer um mich aus tiefsten Herzen lachen und schmunzelnd den Kopf schütteln, während lautstark «Gute Laune» aus den Boxen dröhnt.

Mir ist bewusst, dass unkonventionelle Abschiedsrituale befremdlich wirken, eventuell sogar als pietätlos empfunden werden können. Deshalb möchte ich an dieser Stelle unbedingt zum Ausdruck bringen, dass es auch hier kein Richtig oder Falsch gibt. So individuell wie wir Menschen sind, sollen und dürfen auch unsere Abschiede sein. Dabei zählt nicht nur der Wille der Verstorbenen, sondern auch das Wohlbefinden der nächsten Angehörigen. Weil es bedeutend ist, wie wir uns verabschieden.

In diesem Sinne wünsche ich allen Trauernden kraftvolle und bewegende musikalische Momente mit wertvollen Erinnerungen an ihren Herzensmenschen.

Alles Liebe
Petra

Admin - 14:33:14 @ Allgemein, Sterben, Trauer | 13 Kommentare